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Indienaustausch des WG im SJ 2019/20

Das Jahr 2019 neigte sich dem Ende zu, doch davor hatten wir, 14 Schüler aus der Klassenstufe 10 noch ein großes Abenteuer vor uns. Zusammen machten wir uns gemeinsam mit Frau Düser und Herrn Weiser auf den Weg nach Mumbai, der größten Stadt in Indien.

Nach einem sehr langen, anstrengenden aber auch unglaublich lustigen Flug mit zwei verlorenen Koffern, konnten wir ENDLICH unsere Austauschpartner begrüßen. Wir hatten durch die moderne Technik (z.B. durch WhatsApp oder das sogenannte Instagram) bereits Kontakt zu den Indern aufgenommen, was die Freude der ersten Begegnung umso größer machte. Bereits auf dem Weg vom Flughafen in unser neues Zuhause konnten wir aufregende Erfahrungen sammeln. Uns allen viel gleich zu Anfang die Hitze oder der sehr „dynamische“ Verkehr auf. Ein paar von uns konnten auch gleich am ersten Abend Erfahrung mit indischen Stehtoiletten oder einem Eimer zum Duschen machen, was jedoch für niemanden ein Problem war.

Der erste Tag fand in der Schule statt, allerdings nicht im Klassenzimmer. Am ,,French Day“ hatten wir Zeit unsere Austauschpartner kennen zu lernen, schauten Theaterstücken und Tänzen zu, sangen selber, bemalten T-Shirts und aßen sehr leckeres Essen.

Die Kultur und Bildung durfte natürlich nicht vernachlässigt werden, also besuchten wir am zweiten Tag das Prince of Wales Museum mit vielen antiken Ausstellungsstücken und geschichtlichem Hintergrundwissen zu Indien.

Am Donnerstag bekamen wir einen Einblick in einen großen indischen Feiertag: den ,,Children‘s Day“. Fast die ganze Schülerschaft traf sich im Foyer, um das Programm zu genießen, was für sie vorbereitet worden war. Die Lehrerinnen tanzten sogar für die Schülerinnen. Wir hatten einen sehr schönen Tag in der Schule und auch nachmittags. Wie fast jeden Tag trafen wir uns alle gemeinsam, um etwas in Mumbai zu unternehmen. Wir gingen shoppen, essen oder schauten uns Sehenswürdigkeiten an.

Ein sehr aufregender Ausflug, den wir gemeinsam mit den Indern machten, war der Besuch auf die Elephanta Insel, auf welcher wir freilaufende Kühe, Affen und sehr schöne Höhlen bewundern konnten. Den folgenden Tag verbrachten wir alle in unseren Gastfamilien.

Eine sehr aufregende Erfahrung war der Ausflug nach Dharavi. Wir teilten uns in kleine Gruppen auf und besichtigten dann zusammen mit einem Reiseleiter diesen riesengroßen Slum. Ich denke, wir alle hatten gewissen Vorurteile, doch konnten wir diese revidieren, nachdem wir gesehen hatten, dass vieles in Wahrheit ganz anders ist. Natürlich sind die Menschen dort ärmer als wir, haben nur sehr kleine Räume zum leben und verdienen weniger als die Menschen in Deutschland, doch trotz alle dem sind sie uns sehr höflich und mit einem Lächeln im Gesicht begegnet. Was wir auch lernen konnten, ist, dass die Menschen in diesem Slum sehr viel Müll recyceln, was eine sehr wichtige Aufgabe in der heutigen Welt ist.

Am vorletzten Abend hatten wir das große Glück uns alle bei Soghra und Nele auf der Dachterrasse treffen zu dürfen. Ein wunderschöner Abend voller lachen, weinen und (wie immer) leckerem Essen.

Den letzten Tag verbrachten wir nochmal in der Schule und am Abend trafen wir uns alle gemeinsam mit unseren Austauschfamilien. Wir tanzten, spielten und führten Unterhaltungen. Es war ein wunderschöner Abschluss der gesamten Reise, auch wenn es sehr emotional war.

Doch auch die schönsten Dinge enden irgendwann, also ging es für uns am 20.11. zurück nach Deutschland. Das ist leichter gesagt als getan… Nach vielen und sehr langen Umarmungen, gekullerten Tränen und letzten Worten machten wir uns auf den Weg nach Hause. Der gesamte Austausch veränderte uns alle. Wir lernten unglaublich tolle neue Menschen und eine neue Kultur kennen und machten Erfahrungen, die wir sicherlich nie vergessen werden.

Leider verstarb während dieser Reise unser Lehrer Herr Baumeister in Deutschland, eine Nachricht, die viele von uns sehr schwer traf, doch trotz vieler Tränen konnten wir uns gegenseitig trösten und Erinnerungen über diesen unglaublich besonderen Menschen austauschen. Möge er in Frieden Ruhen.

Indienaustausch des WG 2019/20

Indienaustausch Dezember 2018 – Apostolic Carmel High School / St Stanislaus High School

Für alle, die das Glück hatten das große Los gezogen zu haben ging die Reise nach Mumbai mittags um 13:00 Uhr am Stuttgarter Flughafen los. Trotz stressigen Umsteigens in Istanbul waren alle gut gelaunt und gespannt, wie man in dem so fremden Land wohl von seiner Gastfamilie in Empfang genommen werden würde.

Kaum angekommen, fehlten auch schon drei unserer Koffer, da sie irgendwo in Istanbul verschüttgegangen waren (dafür, dass wir nur zwölf Leute waren ein beachtlicher Anteil). Aber „No Problem“! In Indien kosten Klamotten sowieso fast nichts und die Koffer kamen wenige Tage später dann auch nach. Nachdem bei unserer Ankunft fleißig die Hände geschüttelt, sich umarmt und Gruppenfotos gemacht wurden, machte sich jeder mit seiner Familie auf die Socken, denn es gab viel zu reden. Die jeweiligen Häuser/Wohnungen gingen von klein mit großer Familie bis zu groß mit kleiner Familie. Diese waren alle in super Lage d.h. nah am Meer, neben der Schule, Nähe des Bahnhofs und an wichtigen Straßen. Unsere Austauschschulen und Unterkünfte waren für indische Verhältnisse relativ ruhig in Bandra, einem Stadtteil Mumbais, gelegen.

Gleich am ersten Schultag wurden Jungs und Mädchen in getrennten Schulen feierlichst von über 2000 Schüler(innen) begrüßt, die uns wie Stars behandelten.  Jeder stellte sich vor, wollte uns berühren, lachte uns an, wollte wissen woher wir kommen und uns einfach in Indien willkommen heißen. Ein guter erster Eindruck für das, was uns Indien noch zu bieten hatte.

“In Indien hupt man aus Spaß“ scheint auf jeden Fall so, denn schaut man sich einmal den Fahrstil der Inder an, bekommt das Wort Chaos eine ganz neue Bedeutung. Alles ist laut, der hupende Rikschafahrer fährt einen waghalsigen Hindernisparkour und man selbst ist mittendrin! Eine wahrhaftige Bereicherung, das mal erlebt zu haben.

Laut, aber weniger chaotisch geht es auch bei traditionell indischen Hochzeiten zu. Noch nie hat tanzen so Spaß gemacht, wie mit der Familie der Braut, umgeben von zahlreichen Instrumenten, Menschen der glücklichsten Sorte, mit einer Blumenkette um den Hals und gefilmt von sich schämenden Lehrern. Die Familie der Braut stellte uns sogar eine eigene Villa für die Nacht zur Verfügung, in welcher wir abends den Pool genossen und den Abend gemütlich zusammen ausklingen ließen.

 

Bei unserem ersten Slumbesuch besichtigten wir einen der über 1000 Slums Mumbais, genauer Klassenzimmer à la Slum. Die kaum 10 m² großen Zimmer, die zur Straße hin offen waren, wurden von sechs bis achtjährigen Kindern besucht. Die zuerst schüchternen, später aber neugierigen und strahlenden Gesichter der Kleinen eroberten unsere Herzen wie im Flug. Wir bastelten zusammen bescheidene Meisterwerke aus Holzstäbchen und Blumen unter Eigenregie. Man verstand sich ganz gut mit nonverbaler Kommunikation und als man so eingepfercht zwischen den Kindern saß, die nichts besitzen außer ihrer Freude am Leben und ihrer 7 Sachen, kam man sich schön blöd vor, mit verstaubten weißen Nikes und Hilfiger Shirt. Auf dem Rückweg redeten wir lange darüber, wie privilegiert wir Deutschen doch sind und wie wenig es braucht, um glücklich zu sein.

Es zog uns natürlich auch nach Dharavi (größter Slum der Welt mit schätzungsweise 1 Millionen Menschen auf gut zwei Quadratkilometern), wo wir unter Führung von Swati, einer jungen Slumbewohnerin, den Facettenreichtum der dort lebenden Menschen, der engen Gänge und Gerüche die dort herrschen erleben konnten. Die Begegnung mit Swati war eine der bewegendsten, denn die Art und Weise, mit der diese Frau von Geschichten aus dem Slum, sowie ihrer eigenen Geschichte erzählte war dermaßen packend und ergreifend, dass uns die Tränen kamen. Eine Frau, kaum älter als wir, mit einer Mission (einen Universitätsabschluss zu erlangen), die überzeugt von ihrem Willen in der Lage sein wird Berge zu versetzen. Wir wünschten ihr alle viel Glück auf ihrem Weg, denn für uns ging’s zurück nach Bandra.

Ein weiteres Highlight unseres Aufenthaltes stellten die zahllosen „Local Markets“ dar, die sich hinter jeder Ecke der Stadt verbargen.  Eine kulinarische Überwältigung sondergleichen, ob Kokosnusswasser, Zuckerrohrsaft oder Chickoos... für jeden war etwas dabei, das durch Live – Zubereitung und Geschmack überzeugte.

Unser Abenteuer neigte sich dem Ende zu und wir trafen uns alle ein letztes Mal bevor wir unseren letzten Abend in Indien mit unseren Gastfamilien verbrachten. Am nächsten Morgen trafen wir uns schon um 3:00 Uhr nachts am architektonisch gelungenen neuen Flughafen von Mumbai, um die Heimreise anzutreten.  Der Abschied fiel uns allen schwer, weil wir eine so unfassbare Zeit zusammen hatten, dass sogar unseren Stärksten die Tränchen herunter kullerten. Die Gewissheit, dass wir uns bald in Deutschland wieder sehen würden stimmte uns jedoch wieder einigermaßen fröhlich. Der Rückflug verlief reibungslos, so kamen wir gut in Stuttgart an, wo uns bereits unsere aufgeregten und gespannten Eltern erwarteten.

Fazit:

Wer sich traut, seinen Horizont zu erweitern und nicht wegen jeder Kakerlake eine Panikattacke bekommt, hat mit diesem Austausch die richtige Wahl getroffen.

Till Koch

Indienaustausch 2018

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