Plan des Weges und der Grund der Spur

Die Spur der Erinnerung ist eine 10 cm breite, violette Spur, die 80 km lang ist und von Grafeneck zum Stuttgarter Innenministerium führt. Vom 13.-16. Oktober 2009 wird die Spur von verschiedenen Gemeinden (Schulen, Einrichtungen…) auf den Gehweg gemalt.

Dienstag, 13. Oktober 2009

Beginn in Grafeneck: Münsingen, Seeburg, Bad Urach, Dettingen, Neuhausen und Metzingen

Mittwoch, 14. Oktober 2009

Metzingen, Riederich, Bempflingen, Neckartenzlingen, Altdorf und Neckartailfingen

Donnerstag, 15. Oktober 2009

Neckartailfingen, Grötzingen/Aichtal, Filderstadt und Leinfelden-Echterdingen

Freitag, 16. Oktober 2009

Leinfelden, Möhringen, Sonnenberg, Degerloch, Weinsteige, Charlottenplatz und Innenministerium Stuttgart.

Die Spur soll an die Nazi-Morde an Kranken und Behinderten erinnern, die in Grafeneck stattfanden. Die Spur wird von der Initiative „Stolpersteine“ und dem Bürgerrechtsforum „Die Anstifter“ organisiert. Sie wird durch Spenden und Verkauf von Buttons finanziert. Die Farbe violett steht für Leid, Trauer, Hilflosigkeit und Verlassenheit.

Wir durften mit unserer Klasse an diesem Projekt teilnehmen und mitwirken. Da wir den Nationalsozialismus auch als Thema dieses Schuljahr haben, konnten wir viel erfahren. Wir haben viele Leute getroffen, die sich für die Spur sehr interessieren und diese Aktion sehr toll finden, da die Menschen früher in Grafeneck unnötigerweise getötet wurden. Allerdings gibt es auch Kritiker. In einem Forum wurde geschrieben:

„Wenn ich neben meiner Firmeneinfahrt die nicht genehmigte Zickzacklinie einzeichne, obwohl sie für den Schwerlastverkehr notwendig ist, um auf das Firmengelände zu gelangen, entfernt mir die Stadt diese kostenpflichtig. Der Antrag solche einzuzeichnen, wurde abgelehnt. Das habe ich schriftlich! Parkende Anwohner behindern fast täglich die Einfahrt. So eine idiotische Linie wird jedoch geduldet, obwohl sie nichts bringt. ARMES DEUTSCHLAND! KUSCHEN BIS DER ARTZT KOMMT?“

(14.10.2009)

Wir finden solche Aussprüche unverschämt, weil wir die Gedanken an die Opfer sehr wichtig finden und die Spur deshalb eine gute Aktion ist.

Die Verwandten der Opfer

Die Angehörigen erhielten keine Vorwarnung, dass einer ihrer behinderten Verwandten nach Grafeneck verlegt wurden. Dadurch hatten sie kein Mitspracherecht, ob die Behinderten verlegt werden oder nicht. Einige Zeit später erhielten die Verwandten einen Brief von Burg Grafeneck, indem stand, dass ihr Verwandter gestorben sei und sie die Asche von ihm bekommen würden, damit sie die anderen Patienten nicht „infizieren“. Aber die Angehörigen wurden langsam misstrauisch aufgrund vieler Ungereimtheiten.

Immer mehr Menschen wurden ebenfalls misstrauisch.

Die Angehörigen wollten die Patienten besuchen, aber es wurde ihnen unter verschiedenen Vorwänden verwehrt.
In Wirklichkeit wurden die Patienten umgebracht und den Angehörigen wurde falsche Asche geschickt.

Vor 70 Jahren

10654 Frauen und Männer wurden von Januar bis Dezember 1940 nur 60 km von unserer Schule entfernt auf der Burg Grafeneck ermordet. Wie kam es dazu?

Aktion T4

1939 wurde in der Tiergartenstraße 4 beschlossen, sämtliches Leben Behinderter auszulöschen, da sie nichts zur Entwicklung des Staates beibrachten und auch keine Steuern zahlten, dafür den Staat aber drei mal so viel kosteten.

Da dies aber nicht nur eine Theorie bleiben sollte, wurde sie auf der Schwäbischen Alb verwirklicht. Somit wurde Grafeneck zur Tötungsanstalt.

Ablauf der Vernichtung

Psychisch und geistig Kranke aus verschiedenen Heimen, aber auch Häftlinge und Menschen in sozialen Anstalten wurden in grauen großen Omnibussen mit undurchsichtigen Fensterscheiben nach Grafeneck gebracht. Die Behinderten fuhren voller Freude dort hin, da ihnen erzählt wurde, dass sie in ein schöneres Heim gebracht werden würden.

In Grafeneck wurden die eingelieferten Menschen entkleidet und genauestens untersucht. Diejenigen, die Goldzähne besaßen,  wurden besonders gekennzeichnet. Auffallende Kennzeichen wurden notiert, da diese für die Erstellung einer späteren Todesursache von Bedeutung sein konnten.

Die Ermordung

Es wurden immer max. 75 Personen in den Todesschuppen geführt. Einige Opfer dachten noch, es ginge zum Duschen, andere begannen sich zu wehren und zu schreien.

Die Tötung erfolgte durch Kohlenmonoxid, das in den Vergasungsraum eingeführt wurde. Die Vergasung dauerte ungefähr 20 Minuten und wurde erst eingestellt, wenn sich keine Bewegung mehr feststellen ließ. Anschließend kamen Hilfskräfte mit Gasmasken herein. Der Anblick war schrecklich. Die Hilfskräfte mussten die Leichen, die ineinander verkrampft waren, auseinandertrennen, den besonders gekennzeichneten die Goldzähne entfernen und dann zu den Öfen bringen. Dort wurden die Toten verbrannt.

Das Ende der Anstalt Grafeneck

Über den Ausgang der Anstalt Grafeneck wird viel erzählt. Eine der Theorien berichtet vom Brief der Frauenschaftsführerin, Else Löwis. Diese bat in einem Brief, an die Frau des Richters der NSDAP, darum den Machenschaften der Euthanasie-Anstalt nachzugehen. Die Frau des Richters leitete diesen Brief an Himmler weiter (einer der größten Nationalsozialisten). Himmler antwortete jedoch immer ausweichend. Noch am selben Tag (19.12.1940) nahm er Kontakt mit Viktor Brack auf, er solle wegen den Unruhen des Volkes die Anstalt schließen lassen.

Am 9.12.1940 war die damalige Direktorin dieser Tötungsanstalt bei  einer der letzten Vergasungen dabei. Sie erfuhr, dass dies die letzte Tötung Grafenecks gewesen sei. Tatsächlich wurden diese Vorgänge bis zum 13. Dezember durchgeführt. 3 Tage vorher (10.12.1940) wurde den Verantwortlichen, vom Staat, die Vollmacht entzogen, welches auf die Vergasungen mit einbezog.

Das Personal Grafenecks machte vorerst Urlaub, wobei sie ihre grausige Tätigkeit später in Hadmar (Hessen) fortsetzen sollten. Ein Teil der Angestellten blieben zurück, um Beweise zu vernichten und um alles auf die Übergabe vorzubereiten. Jedoch konnten nicht alle Beweismittel vernichtet werden, so zeugen verbrannte Äste der Alleebäume noch davon, wo damals das Krematorium gestanden hat.

Abschließend: Grafenecks „Tätigkeiten“ wurden nicht vorzeitig durch Einwirkungen von Außen beendet. Himmlers Brief an Victor Brack wurde erst 6 Tage nach der letzten Vergasung geschrieben.

In diesem Brief hieß es „aufklärend“ zu wirken, indem man in der in der dortigen Gegend Filme über Erbkranke laufen ließ. Dafür wurden Schwerbehinderte Menschen von der Vergasung zurückgezogen, um sie davor noch zu filmen. Es entstand das Drehbuch „Dasein ohne Leben“. Die Öffentlichkeit bekam diesen Film jedoch nie zu sehen.