Sweet home Alabama

„Please stand for the flag!” So beginnt jeden Morgen der Unterricht für amerikanische Schüler und vom 25. März bis 9. April 2009 auch für 20 Austauschschüler des Wilhelms-Gymnasiums. Footballstadium, Camphouse, University of Alabama, Blue Angels, Florida Beach - um nur ein paar Programmpunkte neben dem unvermeidlichen Schulbesuch zu nennen.

Doch auch dieser hatte interessante Seiten: Amerikanische Otto-Normal-Schüler wählen pro Jahr lediglich vier Fächer und haben diese dafür jeden Tag. In „Fashion“ lernt Frau Stricken, in „Cooking“ wie frittiertes Fladenbrot in Zucker zu wälzen ist (eine mexikanische Spezialität, die sich aber auch bei den sonst eher fettreduzierten Amerikanern großer Beliebtheit erfreut!) und in „Band Practice“ kann der Nachwuchsmusiker sein Hobby zum Beruf, na ja Schulfach machen.

Shoppen stand ganz oben auf dem Programm der modebewussten Schwabenrepräsentanten. Und so reichte natürlich der Besuch einer Shopping Mall nicht aus, obwohl diese so groß sind, dass wir mehrmals nach dem Weg fragen mussten (Herr Kreikenbaum hatte uns glücklicherweise einige englische Vokabeln beigebracht).

Allgemein muss man die deutschen Maße potenzieren, um auf die Amerikas zu kommen. Das Footballstadium der University of Alabama bietet Platz für 92.000 (in Worten: zweiundneunzigtausend) Zuschauer. 15.000 Fans stehen für die nächste Saison auf der Warteliste. Der Ausbau des Stadions ist bereits in vollem Gange!

Es war für uns alle ein beeindruckendes Erlebnis, auf der obersten Tribüne dieses gigantischen Bauwerks zu stehen! Nur Herr Kreikenbaum traute sich nicht ganz nach oben. Dafür gab er uns Tipps in Sachen neuste Modetrends und gewann ein Liegestütz-Duell am Florida Beach. Dort konnten wir wegen roter Flagge nur knietief in den Golf von Mexico. Schnell war Plan B ausgearbeitet: Die 500m vom Hotel entfernte Mall musste auf Shopping-Tauglichkeit getestet werden. An dieser Stelle einen herzlichen Gruß an den deutschen Zoll, der uns alle ohne Murren wieder einreisen ließ.

Bereits im Oktober hatten „unsere Amis“ den Weg dorthin gefunden, wo man alles kann, außer Hochdeutsch. Ihr Aufenthalt bei uns war weniger shopping-lastig, als vielmehr kultur-beflissen. Sie besuchten das KZ Natzweiler-Struthof, das Münster in Straßburg, die Ritter Sport Fabrik und das Münchner Oktoberfest.

Auffallend war, dass sie Bürgersteige eher irritierend denn hilfreich fanden und den Weg von der Haltestelle Albstraße bis zum Klassenzimmer lieber mit dem Auto bewältigt hätten. Auch den Tag und Nacht (keine Floskel, sondern Tatsache) eingeschalteten Fernseher und die fünf Autos vor der Garage vermissten sie schmerzlich.

Ein Dankeschön der spontanen Frau Sembdner, die erst eine Woche vor Abflug erfuhr, dass sie uns zwei Wochen genießen darf. Dank auch an den engagierten Herrn Kreikenbaum, der uns immer gezeigt hat, wo seine, äh, unsere Grenzen sind.

Lucas Danco, 11a

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