Das Thema Indianer zum Greifen nahe – ganz ohne Schulbuch
Indianer, eines der wichtigen Themen, wenn es um Nordamerika geht. Und genau das ist im Lehrbuch der Klasse 8 der Fall. Nur wie stelle ich es an, ein so interessantes Gebiet kurz und doch umfassend zu behandeln? Bei drei Stunden Englisch in der Woche und Klassenlehreraufgaben in dieser Klasse eine richtige Herausforderung ! Also dachte ich, warum nicht das Nützliche mit dem Vergnügen verbinden? Und schon war das Ganze in einen Klassenausflug mit ergänzender Führung im Lindenmuseum Stuttgart umgewandelt.
Es ging gegen 11 Uhr los, geplante Rückkehr war gegen 17 Uhr, das bedeutete zügiges Laufen und Essen im Zug. Zusammen mit meiner Kollegin Frau Demko ging es erst mal zum ZOB, dort wurden die Schüler auf die einzelnen Gruppentickets verteilt und danach fuhren wir über den HBF Richtung Bretten.
Im Indianermuseum empfing uns ein gut gelaunter Herr Merbt, der den Schülern schon mit seiner Begrüßung im Gedächtnis bleiben sollte: HOW COLA – WIE FANTA und das mit der offenen Hand. Er stellte sich als Turned Apple vor – innen rot und außen weiß. Danach erzählte er uns in seiner direkten Art, wie es kam, dass die Naturmenschen von einst von den Weißen in die Armut gedrängt wurden. Die Tatsache, dass er – der frühere im Lindenmuseum angestellte Kulturwissenschaftler und Ethnologe – in Amerika drei Indianerjungen getroffen hatte, die sich zu dritt ein Paar Turnschuhe geteilt hatten, hatte dazu geführt, dass er sich engagierte und dann im Laufe der Zeit selbst in den Stamm der Schoschonen aufgenommen wurde. Er führte uns durch seine nach gebaute Trapperhütte, zeigte uns Glasperlen, die einst der Geldersatz waren, ließ uns Kürbisgeschirr anfassen, zeigte uns die Büffelfladen, mit denen ein Teepee geheizt wurde als es noch Büffel gab, und faszinierte mit seinen Geschichten, wie sich sein Museum durch Tauschgeschäfte langsam gefüllt hatte. Das Ganze wurde garniert mit seinem Gedenkspruch an die Natur der Indianer, mit Blashornschießen und Totem basteln. Äußerst ungern gingen wir wieder Richtung Bahnhof, die Jungs nicht nur begeistert vom Schnee, der auf uns herab rieselte, sondern auch von der Waffenkammer, die sie besichtigt hatten.
Zwei Wochen später ging es im Lindenmuseum dann nicht mehr ganz so faszinierend zu, allerdings bewiesen die Schüler mit ihren Fragen und auch ihrer Aufmerksamkeit, dass sie sich schon etwas auskannten und dass es sie wirklich interessierte. Dort füllte man in einer Führung durch die sich gerade im Umbau befindliche und deswegen etwas reduzierte Nordamerikasammlung unsere historischen Lücken und wir konnten die verschiedenen Phasen nun besser einordnen. Außerdem bekamen wir viel Hintergrundwissen erzählt zur kulturellen Bedeutung der Geschehnisse, z.B. warum die Männer nun - da sie nicht mehr jagen konnten, bzw. da sie plötzlich von den Frauen und deren Handarbeit abhängig wurden - anfingen zu trinken und wie das Leben in Reservaten früheren Traditionen schadete und zum Symbol eines Lebens ohne Chancen wurde. Die Schüler gingen selbst nach anderthalb Stunden Führung recht angeregt von dannen, was meiner Ansicht nach als großer Erfolg zu werten ist.
OStR‘ Ewen / Ausflug mit der Klasse 8b im Schuljahr 2008/09
Bitte helfen Sie uns, diese Website aktuell zu halten, schicken Sie uns Inhalte zu und melden Sie Fehler!