Indien ist das Land der Gegensätze, klimatisch, religiös, kulturell und sozial. Es existieren soziale Unterschiede, die wir in Deutschland nicht kennen. Während in den Großstadtslums Millionen von Menschen unter dem Existenzminimum leben, gibt es in keinem anderen Land der Erde so viele Milliardäre.
Ganz im Norden Indiens liegt die Provinz Ladakh. Angrenzend an Afghanistan, Pakistan und China leben Menschen in den Tälern des Karakorum und Zanskar- Gebirges in einer Höhe von 4-6000 m. Über Jahrtausende haben sie sich an das menschenfeindliche Klima angepasst. Kennzeichnend für diese Landschaft ist ihre Trockenheit , es regnet nur ca. 50 mm pro Jahr. Die wenigen Regenwolken geben ihre spärliche Feuchtigkeit fast nur auf den Gipfeln der Berge ab, wo sich Gletscherbilden, die wiederum die Quelle kleiner Gebirgsbäche sind. Die Ladakhis haben Bewässerungssysteme entwickelt, die einen ausreichenden landwirtschaftlichen Ertrag für wenige Menschen zulassen. Während der kurzen Vegetationsperiode von Mai bis September gedeihen Gerste, Alfalfa, Kohl und Aprikosen entlang der wenigen Wasserläufe. Neben Schafen und Kühen findet vor allem der kälteerprobte Yak in den Gletscherregionen ausreichend Nahrung.
Da die Menschen in diesen abgelegenen Regionen nur wenig Kontakt zur Außenwelt hatten, liegen die kulturellen und religiösen Wurzeln Ladakhs in Tibet. Der Dalai Lama bezieht regelmäßig im Sommer Quartier in Leh, der Hauptstadt Ladakhs.
Bis heute investiert der indische Staat wenig in Bildung und Ausbildung der Ladakhis. Öffentliche Schulen haben durchweg ein ungenügendes Niveau. Auf Initiative des buddhistischen Mönches Venerable Sanghasena übernahmen weltweit Sponsoren Verantwortung für diese außergewöhnlich schöne und kulturell wertvolle Region und gründeten das Mahabodhi Centre, in dem heute 500 Schüler unterrichtet werden. Ein Krankenhaus, ein Heim für Blinde, eine Bleibe für alte Menschen, zwei Internate und zwei buddhistische Klöster wurden auf einem Campus zusammengefasst. Heute wohnen und arbeiten mehr als 1000 Menschen am Wohlergehen und der Bildung Ladakhs.
Darüber hinaus gibt es inzwischen mehrere Kleinschulen in abgelegenen Teilen Ladakhs, die vom Mahabodhi-Centre betreut und finanziert werden.
Vor fast 10 Jahren gründete der Neuhausener Zahnarzt Dr. Rainer Roos eine Zahnstation im Mahabodhi Centre, um eine zahnärztliche Basisversorgung sicherzustellen. Über den Kontakt zu Tobias Mundel, dem Vertrauenslehrers des Wilhelm- Gymnasiums in Degerloch geriet Ladakh in den Fokus der traditionellen Weihnachts- Spenden-Aktion des WG. Beim Orangenverkauf an Weihnachten 2008 sammelten die Schüler fast 4500.- Euro, um es der Zwergenschule in Timosgam, etwa 60 km von Leh entfernt, zukommen zu lassen.
Rebecca Blum, Julica Möck, Niels Fuchs und Gabriel Nowak wollten sich persönlich über die Zustände vor Ort informieren und entschlossen sich zusammen mir Ulrike und Rainer Roos in den Sommerferien nach Ladakh zu fahren.
Sie zeigten sich von den Menschen und ihrer Freundlichkeit ebenso beeindruckt wie von der einzigartigen Landschaft. Nach einer viertägigen Wanderung über atemberaubende Himalayapässe erreichten sie die Schule im Timosgam, wo sie den Spendenscheck an die Lehrer übergeben konnten. Mit dem Geld sollen Solaranlagen errichtet werden, um einen Computerraum ganztägig nutzbar zu machen. Noch immer gibt es in Ladakh nur wenige Stunden am Tag Strom aus dem öffentlichen Netz und die Spannungsunterschiede gefährden die empfindlichen elektronischen Geräte. Der Umgang mit Computern wird den Schülern den Zugang zur modernen Welt Indiens ermöglichen.
Während ihres zweiwöchigen Aufenthaltes besuchten die Schüler des WG noch andere Schulen des Mahabodhi Centre und konnten sich von der hohen Qualität der Ausbildung und dem guten Ernährungs- und Gesundheitszustand der Kinder überzeugen. Besonders die Disziplin der ladakhischen Schüler und ihre Freude am Lernen überraschte die deutsche Reisegruppe. „Da könnten wir uns eine ganze Menge abschneiden“ meinte Niels Fuchs. Besichtigungen der über 800 Jahre alten Klöster Ladakhs , eine Unterweisung beim Dalai Lama und eine Reise in ein abgelegenes Gebirgstal begeisterten die vier so, dass sie unbedingt zurückkommen möchten nach Ladakh.
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