Bericht

„Volksfeinde“ – eine Aufführung der Theater-AG und des Theater-Trios

   

Brisant. Aktuell. Bewegend.

Am 19. und 20. Mai 2026 begeisterte die Theater-AG mit dem Theaterstück „Volksfeinde“ nach Henrik Ibsen die gesamte Zuschauerschaft. 

Zu Beginn des Stückes füllte ein Selbstgespräch der Doppelfigur Tomas Stockmann (Luis Tempel Luque) und Tom Stockmann (Jannes Mutter) den Saal, welches zwischen Überzeugung und Wahrheit schwankte und das „Höhlengleichnis“ von Platon aufgriff und damit eine Vorausdeutung schaffte. Auch ob das Bruttoinlandsprodukt die treffende Aussage über Wohlstand machen könne, wurde in dieser Weise später von der Doppelfigur Stockmann hinterfragt. 

Das Kurbad ist Grundlage des Konflikts, als nach dessen feierlicher Planung die Ergebnisse über die miserable Wasserqualität herauskommen und ein Diskurs über dessen Folgen entsteht. Die Bürgermeisterin (Ida Rumm) argumentiert mit hohen Sanierungskosten und darauffolgend mit fehlender Kundschaft und lehnt insgesamt das gefundene Ergebnis ab. Der Konflikt wird auch durch die Journalistinnen Frau Hovstad (Vera Empacher) und Frau Billing (Helene Krülle) als Vertretung der Presse, die sehr für Transparenz und daher Information der mündigen Bürger/innen einstehen, geprägt. 

Ein Dialog zwischen Nora Stockmann (Sofija Knezevic) und ihrer Studienfreundin Lina (Janin Geist) zeigt bezüglich Umweltskandalen verschiedene Perspektiven von Aktionen für öffentliche Aufmerksamkeit und kritisiert auch Aktivismus als Haltung von Privilegierten. Während eines weiteren Gesprächs werden Haltungen wie Linientreue, das Unterscheiden von Richtig und Falsch aufgegriffen und diskutiert und wie dies aus Ansicht von Petra Stockmann (Nigin Jannataliyeva) Schüler/innen beigebracht werden sollte. Auch Korruption wird stark thematisiert und im Zusammenhang der Handlung deutlich. In der späteren Handlung wird während Auseinandersetzungen von Aslaksen (Konstantin Reinhardt) demgegenüber um Mäßigung sowie  nicht impulsives und moderates Handeln und Kompromissbereitschaft geworben, wobei seine Bereitschaft auch eher zu der Macht habenden Bürgermeisterin neigt. 

Das Hineinsteigern von Dr. Stockmann bis hin zur Behauptung gegenüber den Bürger/innen, dass die Mehrheit dumm und nicht mit Argumenten zu überzeugen sei und nur ihren Emotionen folge, erzeugt Fassungslosigkeit. Obwohl man ihm anfangs zustimmte, dass die Wahrheit an die Öffentlichkeit gelangen sollte, hat sich nun alles gegen ihn gewandt und er steigert sich in seine egozentrische Haltung hinein und zitiert dabei sogar nahezu eine Aussage aus Hitlers „Mein Kampf“. Insbesondere seine Familie ist stark schockiert davon und distanziert sich zum Teil von ihm. Vor allem für seine Frau Katrin Stockmann (Charlotte Maier) ist es ein Schlag, als aufgrund dieser Haltung und Überzeugung und dieses Auftritts ihres Mannes ihnen die Wohnung gekündigt wird. Während Gesprächen mit dem Ehepaar Stockmann kann der Freund Michael Horster (Gustaf Götzenberger), der weniger involviert in den Streit ist und durch sein eigenes Leben auf dem weiten Meer einen anderen Horizont hat, andere Sichtweisen sowie Rat bieten. Am Ende bleibt die Hoffnung in die junge Generation, also Petra und Nora.

Die Übergänge zwischen den Szenen werden von einer schönen Atmosphäre durch die musikalische Gestaltung von Paul Holzer, Mia Dreyer und Leandro Tempel Luque gefüllt. Das Publikum wird zu den Bürger/innen und das Besondere dabei ist, dass auch Schauspieler/innen aus dem Publikum auf- bzw. hervortreten. Bei der großen letzten Versammlung sind dann ebenfalls wir, das Publikum, die angesprochenen Bürger/innen. 

Das Zusammenspiel all dieser Positionen, Haltungen, Sichtweisen führt zu einem sehr gelungenen Theaterstück, welches die Zuschauerschaft staunen lässt. Allgemein regt das Stück sehr zum eigenen Hinterfragen, Kritisieren und Mitdenken und somit einer inneren Beteiligung an. Daher möchte ich, aber ich denke, das Publikum würde sich mir hier anschließen, ein sehr großes Lob an die Schauspieler/innen, die musikalische Gestaltung sowie die Technik und die Leitung von Herrn Hoffmann und Herrn Mundel aussprechen. Es war sichtbar, wie viel Mühe und Gedanken in dieses Theaterstück gesteckt wurden, die sich in einem so großartigen Resultat widerspiegelten.

Liora Lischniewski

Zurück