Ein neuer Stolperstein in Degerloch

Foto von Gustav F. Scheerer
Foto von G.F.Scheerer mit freundlicher Erlaubnis von www.degerloch.info

Gustav Friedrich Scheerer

Er ist am 24. September 1893 in Sulzbach/Murr geboren, zog aber noch im Kindesalter nach Stuttgart-Degerloch.

Ab 1913 arbeitete er bei der Post und zog als Soldat in den ersten Weltkrieg.

Dort erhielt er einen Kopfschuss, der Halluzinationen und Wahnvorstellungen hervorrief.

Zwar arbeitete er zwischenzeitlich immer wieder bei der Post, wurde jedoch mehrfach in Heilanstalten eingewiesen, so am 8. September 1939 in eine Heilanstalt nach Zwiefalten und danach nach Schussenried gebracht.

Am 23. August 1940 wurde er nach Grafeneck in die Tötungsanstalt gebracht, wo er noch am selben Tag ermordet wurde.

Zum Gedenken an ihn verlegte am 15. November 2018 Gunter Demnig einen Stolperstein in der Großen-Falter-Str. 13.

 

Was geschah in Grafeneck?

1560 wird Schloss Grafeneck 25 km südöstlich von Reutlingen errichtet. Von 1762-1772 wird es zum Barockschloss umgebaut.

1929 wird das Schloss von der Samariterstiftung gekauft und diese funktionieren es zu einem Heim für Behinderte und psychisch Kranke um.

1939 wird das Schloss zum ,,Zwecke des Reiches" beschlagnahmt. Daraus entwickelte sich die erste Tötungsanstalt Deutschlands. Das Personal wurde von 20 auf 100 Personen erhöht.

Die systematischen Tötungen begannen im Januar 1940. Der damalige Vergasungsraum war als Duschraum getarnt in einer Garage untergebracht. In die Vergasungskammern ließ der Arzt Kohlenmonoxid strömen. Die damaligen Tötungen fanden im Geheimen statt. 1940 war die Verbrennung der letzten Opfer. Im Zeitraum von Januar bis Dezember 1940 wurden 9839 Menschen in einer Gaskammer vergast.

Als man die Morde nicht mehr geheimhalten konnte, wurde die Schließung von Grafeneck veranlasst. 1947 und 1948 wurden die Tötungsärzte verurteilt. Seit 1950 ist Grafeneck eine Gedänkstätte.

 

Spur der Erinnerung

So wie die Stolpersteine diente auch die "Spur der Erinnerung" mitten in unserer heutigen Lebenswelt dem Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus.

Die 80 km lange, 10 cm breite und violette Farbspur, die von Grafeneck über Münsingen, Bad Urach, Neckartenzlingen, Filderstadt, Leinfelden-Echterdingen bis zum Innenministerium nach Stuttgart führt, wurde 2009 zur Erinnerung an die 10.654 meist geistig behinderten oder psychisch kranken Menschen, die dort in Grafeneck vergast wurden, gefertigt. Auch Schüler aus Degerloch waren an der Erstellung der Spur beteiligt.

Karte mit grobem Verlauf der Spur
Fotocollage des Verlaufs (basierend auf Google Maps)

Zurück